4.9.2009
„Öffentlicher Anzeiger“ – Lokalausgabe der „Rhein-Zeitung“
Gesundheit gefährdet durch Wirtschaftskrise
Berufsgenossenschaft warnt vor Nachlässigkeit
BAD KREUZNACK. Wirtschaftlicher Druck lässt Betriebe die Sicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiter vernachlässigen. In Zeiten von Hochkonjunktur hingegen fällt es den Berufsgenossenschaften leichter, Maßnahmen zum Arbeitsschutz in Unternehmen durchzusetzen.
Bei einer Fachtagung der Maschinenbau- und Metall-Berufsgenossenschaft (BG) im Domina Parkholel berichtete Dienststellenleiter Frank Mays von einem leichten Anstieg der Unfallzahlen.
Trotz Krankheit schleppen sich Mitarbeiter zur Arbeit – aus Angst, ihren Job zu verlieren. Dieses Phänomen nennen Arbeitsforscher „Präsentismus." Doch damit tun die Beschäftigten weder sich noch ihrem Unternehmen einen Gefallen. Denn durch Krankheit geschwächte Mitarbeiter erlitten häufiger Unfälle, erläutert Mays.
Nach der BG-Statistik sind Stürze die häufigste Ursache für tödliche Unfälle. Schwerpunkt der Tagung war aber das Thema Lärmbelästigung und gesundheitliche Schädigungen durch Vibrationen am Arbeitsplatz. Innerhalb der Europäischen Union gelten dafür seit einiger zeiteinheitliche Standards. Gerhard Neugebauer leitet bei seiner BG die entsprechende Fachstelle für dieses Thema. Er beobachtet, dass Konzerne, die früher in Osteuropa preiswert produzieren ließen, jetzt „noch weiter nach Osten rücken". Bis weltweit einigermaßen einheitliche Standards zum Arbeitsschutz gelten, könnten nach seiner Einschätzung noch mehrere Jahrzehnte vergehen. In puncto Sicherheit und Gesundheitsschutz sieht er etwa chinesische Unternehmen auf dem Stand deutscher Betriebe in den 50er-Jahren.
Wenn Firmen sich beispielsweise weigerten, gefährliche Maschinen mit Sicherheitstechnik aufzurüsten, darf die Berufsgenossenschaft diese Maschinen auch stilllegen. Dazu sagt Mays: „Zuerst versuchen wir aber, die Menschen zu überzeugen.“ (gb)

